Kommunale Begrünungsstrategie
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Welche Faktoren sind bei der Aufstellung einer kommunalen Begrünungsstrategie zu berücksichtigen? Télécharger en PDF
Die Entwicklung einer übergeordneten Strategie zur Begrünung und Baumpflanzung auf kommunaler Ebene wird von den individuellen Gegebenheiten jeder Gemeinde geprägt:
- Städtebauliche Strukturen: Die vorhandene Bebauung, Verkehrsführung und Flächenverfügbarkeit bestimmen die Möglichkeiten für Baumpflanzungen.
- Naturräumliche Gegebenheiten und Biodiversität: Unterschiedliche Standortbedingungen (Bodenverhältnis, Mikroklima, Wasserverfügbarkeit, Lebensräume von bestimmten Insekten, Vögeln oder Kleintieren) erfordern eine standortangepasste Auswahl der Bäume.
- Klimatische Herausforderungen: Zunehmende Hitzeperioden, Trockenheit, Wasserknappheit und Starkregen stellen Straßenbäume und deren Unterhalt vor besondere Anforderungen. Da diese klimatischen Bedingungen je nach Gemeinde unterschiedlich ausgeprägt sein können, ist eine lokale Analyse entscheidend.
- Ressourcen und Verwaltungsstruktur: Die Umsetzung von Begrünungsmaßnahmen hängt stark von den lokalen Strukturen und Kapazitäten der einzelnen Gemeinden ab. Während einige Kommunen über etablierte Netzwerke zwischen Ämtern, externen Fachplanern und lokalen Akteuren verfügen, müssen andere zunächst passende Kooperationsmodelle aufbauen.
- Bedürfnisse der Bevölkerung: Straßenbäume erfüllen nicht nur ökologische Funktionen, sondern prägen auch das lokale Lebensgefühl und die Identifikation mit dem Wohnumfeld. Da die Erwartungen und Prioritäten der Bürger*innen je nach Gemeinde unterschiedlich sein können – etwa in urbanen Zentren im Vergleich zu ländlichen Regionen –, ist eine zielgruppengerechte Bürgerbeteiligung entscheidend.
- Gemeindeentwicklung: Die Integration von Begrünungskonzepten in die kommunale Gesamtplanung ist essenziell, um Synergien mit anderen Vorhaben wie Verkehrsberuhigung, stärkere Nutzung von Regenwasser, Wohnraumentwicklung oder Naherholung zu nutzen.
Kommunale Begrünungsstrategie als Baustein der Gemeindeentwicklung Télécharger en PDF
Eine kommunale Begrünungsstrategie ist kein statisches Konzept, sondern ein dynamisches Planungsinstrument, das sich an den spezifischen Gegebenheiten, Zielen und Prioritäten einer Gemeinde ausrichtet. Da Begrünungsmaßnahmen eine breite Palette ökologischer, sozialer und ökonomischer Vorteile bieten, können die Schwerpunkte je nach lokalen Bedarfen und Rahmenbedingungen variieren:
- Klimawandelanpassung und Resilienz: Straßenbäume und Grünflächen sollen dazu beitragen, die negativen Auswirkungen des Klimawandels abzumildern. Dazu gehört auch der Versuch der Wiederherstellung des natürlichen Wasserkreislaufs.
- Gesundheit und Lebensqualität: Grünflächen und Bäume verbessern die physische und psychische Gesundheit der Bevölkerung.
- Aktive Mobilität: Begrünung soll die Attraktivität von Fuß- und Radwegen erhöhen und nachhaltige Mobilität fördern.
- Biodiversität: Straßenbäume und Grünflächen sollen Lebensräume für Insekten, Vögel und Kleintiere bieten.
- Wirtschaftliche Impulse: Begrünte Firmengelände tragen zu einer erhöhten Aufenthaltsqualität bei und stellen einen Standortvorteil in Gewerbegebieten dar.
- Ortsbild: Bäume prägen das visuelle Erscheinungsbild einer Gemeinde und stärken die lokale Identität.
Konflikte und Lösungen Télécharger en PDF
Konflikte um begrenzte Flächen, etwa zwischen Baumstandorten und Verkehrswegen, sind unvermeidbar. Eine kommunale Begrünungsstrategie muss die vielfältigen Ziele (Klimaresilienz, Lebensqualität, Mobilität, Biodiversität und Ortsbild) sorgfältig abwägen.
Folgende Fragen können dabei helfen, Lösungen für diese Konflikte zu finden:
- Was wird am dringendsten gebraucht – Schatten, Aufenthaltsbereiche, Platz für Fahrradwege, …?
- Wie und wo können mehrere Dinge kombiniert werden? Z.B.: grüne Radwege oder Schulhöfe, Auffangen und Nutzen von Regenwasser.
Wichtig ist, dass alle Betroffenen (Anwohner, Vereine, …) frühzeitig einbezogen werden, denn ihre Perspektiven sind entscheidend. Mit Pilotprojekten können Lösungen im kleinen Rahmen getestet werden. So entstehen nachhaltige Orte, die ökologisch sinnvoll sind, den Alltag verbessern und langfristig sogar Kosten sparen.
Ziele und Orientierungswerte Télécharger en PDF
Eine kommunale Begrünungsstrategie benötigt klare Zielsetzungen, um die Entwicklung und Umsetzung zu steuern. Die auf der folgenden Seite aufgelisteten Orientierungswerte können dabei als Grundlage für die Formulierung konkreter Ziele dienen. Diese Orientierungswerte beziehen sich vorrangig auf öffentlich zugängliche Flächen, auf die eine Gemeinde direkten Einfluss hat. Außerdem sollen sie die unterschiedlichen Funktionen, wie Klimawirksamkeit, biologische Vielfalt und Erholung, abbilden.
Orientierungswerte Télécharger en PDF
| im Rahmen einer allgemeinen Begrünungsstrategie | ||
| Baumpflanzungen | ||
| 1 | Baumkronenanteil: Erhöhung des Flächenanteils in Defiziträumen |
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| 2 | Begrünung von Straßen: Beschattung von Gehwegen, Verbesserung von Hitzeschutz und Klimafunktion |
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| 3 | Begrünung von Parkplätzen und Stellplatzanlagen: Beschattung und Beitrag zur örtlichen Retention von Niederschlagswasser |
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| Flächige Begrünung | ||
| 4 | Naturnah begrünte Flächen im Straßenraum: Erhöhung des Flächenanteils in Defiziträumen |
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| 5 | Mindestflächenanteil naturnah gestalteter und naturschutzfachlich wertvoller öffentlicher Grünflächen zur Förderung der biologischen Vielfalt |
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| 6 | Verdichtung der Grünzüge und Trittsteinbiotope für den Biotopverbund |
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| 7 | Grünraumversorgung in Wohngebieten und Erreichbarkeit: Vergrößerung und Verdichtung des Flächenangebotes in Defizitgebieten pro Einwohner*in |
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| 8 | Mindestgröße von Grünflächen: Einhalten der Voraussetzungen für Klimawirksamkeit und Biotopfunktion |
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Schritte zur kommunalen Begrünungsstrategie Télécharger en PDF
Folgende Schritte führen zur Aufstellung einer kommunalen Strategie:
1) Analyse
- Bestandsanalyse durchführen: individuelle Gegebenheiten der Gemeinde erfassen, z.B. aktueller Baumbestand, Mikroklima, Nutzung und Gestaltung des öffentlichen Raums.
- Synergien nutzen: Abstimmung mit bestehenden Plänen, Konzepten und Begrünungsprojekten, z.B. mit einem bestehenden kommunalen Klimawandelanpassungskonzept, Mobilitätskonzept oder Projekten im Rahmen des Natur- oder Klimapakts.
2) Zielsetzung, Priorisierung und Planung
- Politischen Willen schaffen: Unterstützung durch Entscheidungsträger*innen sichern
- Ziele und Prioritäten festlegen: der Schwerpunkt z.B. auf Klimawandelanpassung gelegt
- Prioritäre Bereiche definieren, sowohl für Neupflanzungen als auch für Erhalt: z.B. stark versiegelte Bereiche, Bereiche mit einem geringen Baumkronenanteil, öffentliche Plätze, Schulhöfe
- Maßnahmenplan aufstellen: kurz- und langfristige Projekte definieren
3) Umsetzung und Begleitung
- Akteure und Verantwortlichkeiten: involvierte Akteure identifizieren und klare Zuständigkeiten für Planung, Pflanzung und Pflege definieren
- Kommunikation und Akzeptanz: geplante Maßnahmen zielgruppengerecht kommunizieren; Beteiligungsmöglichkeiten schaffen; Zivilgesellschaft in die Planung, Ausführung und Pflege einbinden